Interview mit Tierärztin: „Die meisten Hunde und Katzen bekommen schlechtes Futter“

November 2016

Hund mit verschiedenem Futter

"Bioland im Fokus" interviewt Jutta Ziegler (Tierärztin bei Salzburg) zum Thema Hunde-und Katzenfutter.
Das ganze Interview, und weitere interessante Beiträge zum Thema Haustiernahrung von Julia Romlewski auf "Bioland im Fokus"

"Die meisten Hunde und Katzen bekommen schlechtes Futter"

Die Auswahl an Hunde- und Katzenfutter ist riesig. Es gibt sogar saisonales und veganes Futter. Aber was ist wirklich gut für Hund und Katz? Tierärztin Jutta Ziegler gibt Tipps.

IM FOKUS: Frau Ziegler, die meisten Hunde und Katzen kriegen Dosenfutter aus dem Supermarkt. Worauf sollte man dabei achten?

Ziegler: Auf den Dosen sollte nicht „tierische Nebenerzeugnisse“ stehen. Denn das kann alles heißen. Das Futter kann aus Federn, Klauen oder Hufen bestehen statt aus Fleisch – also aus minderwertigen Schlachtabfällen. Bei billigem Futter ist das leider meistens der Fall. Fleisch sollte an erster Stelle auf der Dose aufgeführt sein. Wenn zum Beispiel nur Geflügel draufsteht, kann es sich auch um Geflügelmehl oder Federn handeln. Futter mit Zusatzstoffen wie synthetische Vitamine sollten Sie auch meiden. Die werden meist beigefügt, wenn das Futter so stark erhitzt wurde, dass wichtige natürliche Inhaltsstoffe verlorengegangen sind.

IM FOKUS: Und wie ist es mit anderen Zutaten wie Getreide?

Ziegler: In Getreide stecken viele Kohlenhydrate. Katzen brauchen das nicht. Hunde können Kohlenhydrate besser verdauen, werden aber dick davon, weil das Getreide in Zucker umgewandelt wird. Ein Getreideanteil von 10 bis 20 Prozent ist nur etwas für Hochleistungshunde, die den Zucker sofort verbrennen.

IM FOKUS: Stimmt es, dass manche Hersteller Glutamat beimischen, damit die Tiere mehr fressen?

Ziegler: Ohne Geschmacksverstärker wie Glutamat würden Hunde und Katzen viele Fertigfutter gar nicht fressen.

IM FOKUS: Trockenfutter hat auch einen schlechten Ruf. Zu Recht?

Ziegler: Trockenfutter sollte man nur in Ausnahmefällen nehmen – und dann nur kaltgepresst. Das steht auf der Verpackung. Da sind die Inhaltsstoffe noch weitgehend erhalten. Alles andere ist wie H-Milch: Toterhitzt und denaturiert. Und außerdem voller Zusatzstoffe.

IM FOKUS: Man hört aber auch oft, für Katzen sei Trockenfutter generell schlecht, weil zu wenig Wasser enthalten sei. Darunter würden die Nieren leiden.

Ziegler: Ja, das stimmt, Katzen trinken von Natur aus sehr wenig, und decken ihren Flüssigkeitsbedarf durch ihre Beutetiere. Trockenfutter entzieht den Tieren sogar noch Wasser, was auf Dauer schädlich für die Nieren ist, und auch die Konzentration des Harnes beeinflusst, was zur Bildung von Harnsteinen beiträgt.

IM FOKUS: Im Supermarkt findet man auch saisonales Futter. Zum Beispiel Huhn mit Spargel für die Katze. Würden Sie so etwas empfehlen?

Ziegler: Das kommt auf die gesamte Zusammensetzung der Dose an. Prinzipiell finden Sie im Supermarkt keine hochwertigen Dosen. Ich weiß nicht, ob die Katze das frisst. Katzen fressen auch in der Natur keinen Spargel.

IM FOKUS: Was wäre am gesündesten für meinen Hund oder meine Katze?

Ziegler: Am besten ist rohes Fleisch. Das bekommt man beim Bauern, in kleineren Metzgereien oder in speziellen Tierhandlungen. Gekochtes Fleisch ist nicht so gut für die Tiere, denn bei jeder Verarbeitung gehen wertvolle Inhaltsstoffe verloren. Vor allem Vitamine werden völlig zerstört. Hunde brauchen aber nicht nur Fleisch, sondern auch Ballaststoffe in Form von Gemüse oder Obst. 70 Prozent Fleisch, 30 Prozent Pflanzliches – das wäre eine gute Mischung.

IM FOKUS: Manche Tierhalter wollen ihren Hund vegan ernähren. Was sagen Sie dazu?

Ziegler: Dann sollen sie sich ein Kaninchen zulegen. Veganes Futter ist nicht artgerecht für den Hund. Manche ernähren ihre Hunde auch vegetarisch mit viel Milch und Eiern. Die Tiere überleben das, aber sie haben eine schlechte Muskulatur und sind nicht so fit.

IM FOKUS: Kann man Katzen eigentlich wieder zu Selbstversorgern erziehen? Mäuse sind doch das artgerechteste Futter.

Ziegler:  Das geht, natürlich nur bei Freigängern. Ich habe selbst vier Katzen. Im Sommer bekommen sie die halbe Winterration und sind trotzdem wohlgenährt. Das ist die gesündeste Ernährung. Auf dem Land ist das natürlich einfacher als in der Stadt.

IM FOKUS: Manche Dinge sollte man seinem Haustier gar nicht geben. Schokolade in größeren Mengen ist für Hunde ja zum Beispiel giftig. Was noch?

Ziegler: Avocados sowie gespritze Weintrauben und rohe Hülsenfrüchte. Es kommt aber immer auf die Menge an. Ein Hund stirbt nicht gleich an einem Stück Schokolade. Unreife Tomaten, rohe Kartoffeln oder Macadamianüsse sollte man ihnen generell auch nicht geben.

IM FOKUS: Sind unsere Hunde und Katzen kränker als früher?

Ziegler: Ja, aber nicht, weil sie älter werden. Sie bekommen viel zu viele Medikamente, werden viel zu oft geimpft und chemisch entwurmt, was zu einem Kahlschlag im Darm führt. Und dann bekommen die meisten auch noch schlechtes Futter mit vielen Zusatzstoffen, die im Darm massiven Schaden anrichten können. Die Tiere leiden dann oft an chronischen Darmerkrankungen.

Die Fragen stellte Julia Romlewski

 

Zur Person

Jutta Ziegler (geboren 1955) ist seit 35 Jahren Tierärztin und führt bei Salzburg eine ganzheitliche Praxis. Zuvor leitete die gebürtige Darmstädterin etliche Jahre eine Tierklinik. Ziegler veröffentlicht auch Bücher, zum Beispiel "Hunde würden länger leben, wenn…Schwarzbuch Tierarzt". Im Herbst soll ihr drittes Buch herauskommen – ein reines Ernährungsbuch für Hunde und Katzen.

 

 

 

 

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